Azure Backupstrategien: Virtual Machines

05. Juli 2016
Im ersten Teil meiner Reihe zum Thema „Backupstrategien“ möchte ich mich mit Virtual Machines befassen. Welche Möglichkeiten zum Sichern gibt es? Wie werden diese konfiguriert? Wann ist welche Variante sinnvoll?
 
Ich stelle verschiedene Problem-Szenarien vor und beschreibe Lösungsmöglichkeiten sowohl für „Classic VM“s als auch für „RessouceManager VM“s.
 

Szenario 1:

„Ich möchte aus einer VM ein Template-Backup erzeugen, um daraus mehrere weitere VMs zu erstellen – bspw. zum Lastenausgleich in einem Cloud Service“
 
Hier bietet sich das manuelle Sichern als Image an. Dabei muss jedoch zwischen „Classic VMs“ und „RM VMs“ unterschieden werden.

Classic VM

Template-Backup erzeugen
 
Theoretisch muss für Classic VMs nur ein Button im Portal geklickt werden:
 
 
 
Praktisch jedoch müssen vorher noch ein paar Dinge beachtet werden: Stichwort waagent –deprovision:
 
Da wir in unserem Szenario ja ein Template als Basis für mehrere VMs (statt eines 1:1 Backups) erstellen wollen, ist es sinnvoll, auf der VM noch den Befehl 
 
$ sudo waagent –deprovision
auszuführen.
 
Dabei wird folgendes in der VM gelöscht:
  • Alle SSH-Hostschlüssel (sofern Provisioning.RegenerateSshHostKeyPair in der Konfigurationsdatei auf "y" festgelegt ist)
  • Namenserverkonfiguration in "/etc/resolv.conf"
  • Stammkennwort aus "/etc/shadow" (sofern Provisioning.DeleteRootPassword in der Konfigurationsdatei auf "y" festgelegt ist)
  • Zwischengespeicherte DHCP-Clientleases
  • Setzt den Hostnamen auf "localhost.localdomain" zurück
 
Diese Dateien können also beim Erzeugen einer neuen VM auf Basis des Backups neu erstellt werden – dies wäre ohne den deprovision-Befehl sonst nicht möglich.
 
Konkretes Beispiel:
 
Habt ihr den deprovision-Befehl ausgeführt, wird der Hostname der neuen VM aus dem von euch vergebenen VM-Namen (Beim Erstellvorgang) verwendet – andersfalls würde jede neue VM den gleichen Hostnamen (den der Template-VM) besitzen.
 
Aber Achtung: dieser Befehl macht die ursprüngliche VM im Anschluss unbenutzbar, da sie automatisch nach dem Capture-Vorgang gelöscht wird! Wollt ihr die VM behalten, so sollte vorher ein Klon von ihr erstellt werden (also capturen ohne waagent –deprovision und neue VM erstellen)
 
VM aus Template erstellen
 
Ihr habt also nun euer Template erstellt und wollt jetzt mehrere VMs auf dieser Basis hochziehen. Für Classic VMs ist das mit ein paar Klicks erledigt: Hierzu muss ins „alte“ Portal (manage.windowsazure.com) gewechselt werden: Über „NEW“ kann eine VM aus der Gallerie erstellt werden:
 
 
Euer erstelltes Image findet ihr im Menüpunkt „My Images“.
 

RessourceManager VM

Template-Backup erzeugen
 
Benutzt ihr eine „RessourceManager VM“, so ist leider eine andere Herangehensweise notwendig. Denn den Button „Capture“ gibt es leider nur für Classic VMs. 
 
Da wir immer noch beim „Template Erzeugen“-Szenario sind, müsst ihr (wie bei der Classic VM) vorher den Befehl
$ sudo waagent deprovision
auf eurer VM ausführen.
 
Jetzt könnt ihr den Resource Explorer nutzen: https://resources.azure.com
 
Auf dieser Seite navigiert ihr zu eurer VM.
 
 
Zunächst müsste ihr den Modus auf „Read/Write“ wechseln. Danach könnt ihr in den „Actions“-Tab gehen. Wie auch bei den Classic VMs ist es ratsam, die VM vor dem capturen zu stoppen. Dies geschieht über den Button „deallocate“. Anschließend wird die VM über „capture“ aufgenommen.
 
VM aus Template erstellen
 
Das Erstellen einer VM von der Gallerie ist nur für Classic VMs möglich – für RM VMs muss ein PowerShell-Script herhalten. Microsoft demonstriert eine Möglichkeit:
 

Szenario 2:

„Ich möchte nur ein einzelnes Backup meiner VM erstellen, mit welchem ich meine VM notfalls wiederherstellen kann.“
 
Hier wird genauso wie in Szenario 1 vorgegangen, außer dass dieses Mal der deprovision-Befehl nicht ausgeführt wird.
 
 

Szenario 3: 

„Ich möchte meine VM automatisiert in regelmäßigen Abständen sichern um notfalls auf einen alten Stand zurückgreifen zu können“
 
In diesem Szenario empfiehlt sich die Verwendung von „Azure Site Recovery (OMS)“, welches seit kurzem auch im neuen Portal verfügbar und somit gleichermaßen für Classic VMs als auch RM VMs nutzbar ist.
 
 
Das Einrichten ist gewohnt einfach: Nach dem Erstellen der Ressource „Azure Site Recovery (OMS)“ kann über den Menüpunkt „Backup“ die VM angegeben werden, welche kontinuierlich gesichert werden soll und zudem wird eine „Backup-Policy“ konfiguriert, in der Frequenz und Aufbewahrungszeitraum festgelegt werden können.
 
Im Bereich „Backup Items“ werden sämtliche Backups gelistet. Mit einem Klick auf „Restore“ wird aus dem Backup eine neue VM in einem neuen Cloudservice erzeugt. Wollt ihr stattdessen eine bestehende VM „überschreiben“, so ist es leider notwendig, dass ihr diese zuvor löscht, da beim Restore immer eine neue VM angelegt wird.
 

Fazit

Azure löst mit seinen Möglichkeiten alle alltäglichen Probleme rund um das Thema Backup und bietet dazu gewohnt einfache Methoden an. 
Einziger Kritikpunkt ist, dass für RessourceManager VMs noch keine FrontEnd-Lösung für manuelle Backups existieren.
 
 

 

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